Mit seinem KI-Tool Little BIGjob revolutioniert die HR-Unternehmensberatung Lorenz & Hamilton die Suche nach Führungskräften. Analyse dieses Paradigmenwechsels mit Ludovic Bourg, Gründer und Geschäftsführer der Pariser Unternehmensgruppe.

Videotranskript

Reden wir über den Wandel

Stéphane Courgeon, Journalist. „Guten Tag, wir befinden uns heute in Paris, ganz in der Nähe Place de l‘Étoile. Herzlich willkommen in einem hochmodernen Unternehmen. Die Personalberatung Lorenz & Hamilton brachte 2019 eine Lösung auf den Markt, die den Prozess bei der Suche nach Führungskräften revolutioniert. Sie stützt sich auf künstliche Intelligenz, die digitale Spuren von Bewerbern analysiert. Mit anderen Worten: wo ein Berater bisher wochenlang recherchieren musste, erlauben die Algorithmen nun eine Vorauswahl der verschiedenen Profile in nur wenigen Sekunden.

Sechs Jahre Forschung waren notwendig, um die künstliche Intelligenz Cérébra fertig zu stellen, die von der Tochtergesellschaft LittleBigJob gemeinsam mit einem renommierten kanadischen Labor entwickelt wurde.
Aber warum und vor allem wie hat Lorenz & Hamilton diese technologische Herausforderung gemeistert? In Kürze werde ich diese Fragen Ludovic Bourg, dem Präsidenten und Gründer, stellen.

Bei Lorenz & Hamilton

SC: „Guten Tag Ludovic Bourg! “

Ludovic Bourg: „Guten Tag Stéphane! “

SC: „Vielen Dank, dass Sie uns hier bei Lorenz & Hamilton empfangen. Können Sie uns zu Anfang kurz beschreiben, womit sich Ihre Unternehmensgruppe beschäftigt? “

LB: „Lorenz &Hamilton ist eine Personalberatung mit zwei Hauptgeschäftsbereichen:

  • Die Personalberatung: hier bearbeiten wir unter jeweils eigenen Marken verschiedene Marktsegmente: Headhunting, Outplacement, Übergangsmanagement, Coaching,
  • und dann ist da noch der Geschäftsbereich Daten und IT-Systeme, vor allem für die Personalverwaltung.“

Ein Beruf im Wandel?

SC: „Wie kommt man aus einem Unternehmen in einer traditionellen Branche dazu, sich mithilfe künstlicher Intelligenz weiterzuentwickeln? “

LB: „Seit Beginn der 2010-er Jahre beobachten wir, wie die Datennutzung immer wichtiger wird. Daten sind in Hülle und Fülle fast überall: soziale Netzwerke entwickeln sich, vor allem im professionellen Bereich; diese Daten werden gehaltvoll, schnell, interessant, und wir fragen uns, wie man diese Daten sammeln, nutzen und analysieren kann und ob wir mit dieser Nutzung unserer Arbeitsweise ändern können: unsere Arbeitsweise bei der Recherche von Bewerbern, unsere Beratungsphasen bei Mitarbeitern und Führungskräften. Also steht die verstärkte Datennutzung bei unseren Überlegungen im Mittelpunkt“.

SC: „Wie vermarkten Sie Cérébra heute? “

LB: „Cérébra wird vor allem online vermarktet, denn es ist eine Plattform. Wir haben zwei Arten von Kunden: Unternehmen und Kanzleien. Sie können ein Abonnement abschließen und dann ist die Nutzung des Systems kinderleicht: Es beginnt mit einem Arbeitsplatzprofil. Sie teilen Cérébra mit: „Dieses Profil suche ich“, Sie geben das Arbeitsplatzprofil ein, drücken auf eine Knopf und Cérébra zeigt Ihnen sofort die 20 Personen, die angesprochen werden müssen, um Ihren Bedarf und den Auftrag zu konkretisieren“.

SC: „Welche Auswirkungen hatte dies letztendlich bei Ihren Beratern? “

LB: „Unsere Berater weltweit müssen ihre Zeit einteilen. Das bedeutet: Sie haben jeweils bestimmte Zeiten für die Ermittlung von Bewerbern, die Beurteilung und die Begleitung zur Verfügung. Wenn sie bei der Ermittlung statt mehreren Wochen nur einige Sekunden benötigen, haben sie wesentlich mehr Zeit für die Betreuung ihrer Bewerber und der Führungskräfte, die wir begleiten.
Problematisch ist die Fülle an Daten, es gibt davon viel zu viel! Zur Bearbeitung dieser übergroßen Datenmenge braucht man Hilfsmittel. Wir setzen daher unsere Algorithmen für die Datenbearbeitung ein und geben so unseren Beratern neue Optionen für Bewerber an die Hand. Manches kann ein menschliches Gehirn nicht mehr verarbeiten, weil zu viele Daten vorliegen.“

Und morgen?

SC: „Ist die Entwicklung des Geschäftsmodells, von dem wir sprachen, heute für Sie abgeschlossen? Ist es fertig? Oder wird es sich in den kommenden Jahren noch weiter entwickeln? “

LB: „Ich weiß nicht, welcher Unternehmer behaupten kann, dass die Entwicklung seines Geschäftsmodells abgeschlossen ist. Ich denke, dass unser Geschäftsmodell... wir haben jetzt etwas Strukturiertes, etwas Ausgewogenes. Es wird sich zwangsläufig weiter entwickeln, schon allein weil wir durch die KI und unsere Arbeit mit den Daten neue Anwendungsfelder entdecken. Wir haben uns mit den Beschaffungsphasen beschäftigt, derzeit arbeiten wir an Prognosen für den Erfolg an einem Arbeitsplatz. Wenn wir es schaffen, eine Wahrscheinlichkeit für den Erfolg an einem Arbeitsplatz zu prognostizieren, wird sich dies auch darauf auswirken, wie wir die Personalbeschaffung angehen.“

SC: „Sie wurden von Crédit Mutuel Equity und auch von der Tochtergesellschaft Crédit Mutuel Innovation unterstützt. Was erwartet man von einem Partner, wenn man ein Technologieprojekt wie das Ihre in Angriff nimmt? “

LB: „Dass der Partner die Vision teilt: man muss gleiche Vorstellungen von der Entwicklung eines Metiers haben, das mit bewährten Prozessen traditionell gut aufgestellt ist. Die Tatsache, dass diese Vision mit einer langfristigen Veränderung dieser Metiers, vor allem durch die Nutzung der Technologie, einhergeht.

  • Außerdem Mut: ich kann nur betonen, dass eine Investition in unserer Holding und über Crédit Mutuel Innovation in unsere Tochtergesellschaft LittleBigJob für einen Investmentfonds auch eine mutige Entscheidung ist“.

Ratschläge?

SC: „Vielleicht eine letzte Frage: was würden Sie einem Geschäftsführer raten, der so wie sie eine neue Technologie in Angriff nehmen möchte? “

LB: „Diesen Rat würde ich in einem Wort zusammenfassen: glücklicher Zufall. Man muss aus Erfahrungen anderer Recherche-Richtungen lernen, nach draußen gehen und schauen, was in anderen Recherchegebieten, anderen Forschungsfelder geschieht, dann die Erkenntnisse auf sein Metier anwenden und dort wichtige Innovationen finden. Insgesamt sind glückliche Zufallsentdeckungen die wichtigste Komponente der Innovation“.

SC: „Vielen Dank Ludovic Bourg“.

LB: „Vielen Dank Stéphane“

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